09.08.2007

Hallo ihr!

Mein Name ist Kim, ich weiß nicht, ob ihr euch an mich erinnert, denn ich war zum Glück nur zwei Wochen bei euch im Tierheim ? Das war für mich auch mehr als genug. Meine neuen Menschen waren zunächst eigentlich gar nicht meinetwegen bei euch, aber da der Kater, für den sie sich ursprünglich interessierten, doch nichts für sie war, entschieden sie sich nach etwas Überzeugungsarbeit seitens der Tochter des Hauses, die wusste, dass fast neun Jahre für eine Katze noch keine hohes Alter sind, für mich.
Das wurde auch höchste Zeit, denn ich saß die ganze Zeit nur in einem Transportkorb, weil mir die ganzen anderen Katzen viel zu aufdringlich waren. Entsprechend meiner seelischen Verfassung kümmerte ich mich auch nicht um mein schönes, weißes Fell, das dadurch schon ganz gelb schimmerte.

So ging es also mit dem Auto in mein neues Zuhause, wo ich mich erst ein paar Tage überwiegend unter einem Bett versteckte. Ich traute mich nicht auf Sitzmöbel und als mich Frauchen einmal doch auf besagtem Bett entdeckte und freudig : "Ja wo bist denn du??" sagte, war ich sogleich wieder darunter verschwunden.

Genauso wenig wollte ich aufs Sofa. dort ließ ich mich nur mit etwas Futter hinauf locken, um dann jedoch gleich wieder auf den Boden zu flüchten. Doch das Schlimmste war, dass ich nicht richtig laufen konnte: Nach ein paar Metern musste ich mich hinlegen, weil meine Beine mein Gewicht nicht tragen konnten; so degeneriert war meine Muskulatur. Ich hatte und habe zwar, wie man sieht, keine Modelmaße, aber trotzdem hätte es mir ja keine Probleme machen sollen, mein Gewicht zu tragen, oder?




Das alles ist nun über drei Jahre her und seitdem hat sich einiges getan. Ich kann wieder richtig schön laufen, habe etwas Gewicht verloren und meine Menschen versuchen, es noch weiter zu reduzieren, was durch meine immer wieder zum Vorschein kommende Faulheit und dadurch, dass ich nicht besonders gern spiele, nicht gerade leicht ist.

Doch durch mein Training habe ich sogar ein paar kleine Kunststücke, wie "Sitz" gelernt. Aber besser wäre eine schlankere Figur nicht nur aus den üblichen Gründen, sondern auch, weil sich mittlerweile herausgestellt hat, dass ich an Arthrose leide.

Das zeigt, dass ich wohl schon einen Großteil meines Lebens ein bisschen zu viel auf die Waage brachte, denn dieses Leiden ist bei Samtpfoten mit Normalgewicht äußerst selten!

Aber auch mein Selbstbewusstsein hat sich enorm gesteigert, schließlich steckt in mir ein wenig Rassekatze (meine Menschen vermuten ein Schuss Ragdoll) und dementsprechend muss ich mich ja auch benehmen und von anderen behandelt werden!

So schlafe ich heute nur noch auf Betten, deren Bettdecke auch schön glatt gezogen ist, denn Falten sind ja unbequem, wenn man auf ihnen liegen muss. Der Schreibtischstuhl vor dem Computer gehört ebenfalls mir und wenn jemand darauf sitzt, setzte ich mich einfach vor den Bildschirm und umgarne den Menschen mit herzerweichenden Blicken und Schmusen, bis er mein Sitzmöbel freigibt. Genauso rufe ich vorbeigehende Familienmitglieder zu mir, wenn mir danach ist, gestreichelt zu werden.

Obwohl ich meistens viel lieber einfach nur auf einem Schoß liege. Allerdings muss der Mensch auch hier (Sommer wie Winter) eine Decke unter mir ausbreiten, sonst lasse ich mich nur ungern bei ihm nieder.






Gerne genieße ich auch, bei trockenem Wetter, die Sonne im Garten; ich bin ja schließlich eine Südländerin von Teneriffa.

Mäuse fange ich nicht, denn auch wenn ich im Garten eine entdecke, weiß ich gar nicht, was ich mit ihr tun soll. Aber was erwartet man von einer Katze, die sich am Anfang von einer sehr selbstbewussten, nun leider verstorbenen, Kaninchendame aus "ihrem" Zimmer jagen ließ?

Die größte Veränderung besteht jedoch darin, dass ich nun samtpfötige Gesellschaft habe und das, obwohl ich im Tierheim nicht viel für andere Katzen übrig hatte. Es handelt sich um einen rot getigerten Kater, den die Tochter des Hauses schon, als er nur hin und wieder zu Besuch in unseren Garten kam, Mauzi taufte? (eigentlich nannte sie bis dahin alle Katzen, deren Namen sie nicht kannte, so).

Ich mochte ihn damals nicht besonders, doch als er mehr und mehr Zeit bei uns verbrachte
und schließlich ganz blieb, gewöhnte ich mich an ihn.

Heute mag ich ihn eigentlich ganz gern, solange er nicht meint, mit mir spielen zu müssen. Ich kann einfach nichts damit anfangen, wenn er von hinten auf mich zugerannt kommt, um mich anzuspringen um gleich darauf mit schelmischem Blick vor mir auf dem Boden herumzurollen. Dann bekommt er auch schon einmal unter wütendem Fauchen einen kräftigen Hieb mit der Pfote. Aber genauso, wie er mich manchmal einige Nerven kostet, freue ich mich auch meistens gurrend, wenn er von seinen Streifzügen heimkehrt. Und auch mit ihm im selben Bett schlafen ist mittlerweile kein Problem mehr für mich, schließlich sind wir ja beide nur Katzen.

So lebe ich heute glücklicher, als ich es in den vorherigen Jahren meines Lebens jemals war und hoffe, dass ich nie wieder von hier weg muss, denn hier habe ich liebe Menschen, meinen "Adoptivsohn" Mauzi und einen großen Garten, der mir stets zur Verfügung steht.

Mit zufriedenem Schnurren,


Eure Kim

12.07.2007
Anka