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....Rex....
Mein
wunderbarer Rex der Traumhund aus dem Zwinger nebenan
Die Geschichte
von Rex und mir beginnt mit einer Trennung und einer unglücklichen
Frau,
die in einem Selbsthilfebuch gelesen hatte, dass man,
wenn es einem schlecht geht, dahin gehen soll, wo es den anderen
noch schlechter geht.
Also machte ich mich auf zum Tierheim.
Auf dem
Weg dorthin, überlegte ich mir dann,
dass ich ja auch direkt einen Hund mit nach Hause nehmen könnte.
So einen knuffigen, kleinen Kerl hätte ich gerne.
Fit genug, auf dass er am Fahrrad und auch am Pferd mitlaufen kann,
sollte er auch sein.
Ja, einen
Hund wollte ich mir anschaffen...
Meine erste
Runde durch das Tierheim war recht ernüchternd.
So ein süßer, kleiner, niedlicher Kerl,
in den ich mich auf den ersten Blick hätte verlieben können,
war nicht dabei.
Aber immerhin machte ich einen Zwinger mit Welpen aus, die mich
interessierten.
Allerdings
standen da die Leute regelrecht Schlange,
so dass ich einen desinteressierten Blick auf den Hund im Zwinger
nebenan warf.
Da saß
er: schwarz, groß und irgendwie so gar nicht mein Typ.
Und dann hieß das Tier auch noch Rex wie sinnig bei
einem Schäferhundmix.
Eins war
klar, so ein Hund sollte es für mich sicherlich nicht sein.
Aber nun, da ich gerade nichts besseres zu tun hatte, konnte ich
ihn ja mal ansprechen.
Er starrte einfach durch mich hindurch, so als wollte er sagen:
Du interessierst dich doch sowieso nicht für mich.
Um ehrlich
zu sein, war ich ein bisschen empört,
dass dieser Hund, der ja wohl froh und dankbar sein dürfte,
dass ich ihm etwas Aufmerksamkeit schenken wollte, mich so abblitzen
ließ.
Was bildete der sich eigentlich ein, so groß, schwarz und alt
wie er war? |
Aber
im Grunde hatte er ja recht:
Die Übernahme eines großen, schwarzen Schäferhundmixes
im zweistelligen Alter,
der sich nicht mal die Mühe machte,
sich bei mir ein bisschen einzuschleimen,
wie es sich für einen anständigen Tierheimhund gehörte,
war für mich zu diesem Zeitpunkt völlig utopisch.
Sicher,
dieser Hund tat mir irgendwie leid,
war aber eben nichts für mich.
Für mehr als ein flüchtiges armer Kerl reichte
meine Empathie damals nicht. Dass er, wie so viele andere auch,
eben für keinen was war
und zu den so genannten Schwerver- mittelbaren zählte, all
das waren Dinge,
mit denen ich mich noch nie beschäftigt hatte.
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Kölner Express |
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Als
ich dann endlich einen Platz am Zwinger der süßen tolpatschigen
Welpen ergattert hatte,
die sich förmlich überschlugen, um zu gefallen,
da war der alte Hund im Nebenzwinger auch schon wieder vergessen.
An diesem
Tag lernte ich meine 1. Lektion in Sachen Hunde aus dem Tierheim:
Ich erfuhr, dass man eine Schutzgebühr für die Welpen
verlangte und nicht einfach nur froh war,
dass ich einen mitnehmen wollte.
Außerdem
gäbe es bereits mehr als genug Interessenten für die Welpen,
ob ich mir nicht mal die anderen Hunde anschauen wollte?
Ja, war ich denen etwa nicht gut genug oder was?
Eine nette
Frau verwickelte mich in ein Gespräch und erklärte mir,
dass ich ja einfach noch mal wiederkommen könnte,
vielleicht hätte man bald wieder einen jungen Hund.
Und ob ich nicht Lust hätte, bis dahin ab und an mal Hunde
Gassi zu führen.
Sie wären gerade so wenig Gassigänger und die Hunde müssten
doch mal raus.
Ja klar
wollte ich.
Jetzt direkt und am liebsten mit allen Welpen auf einmal
oder mit dem süßen kleinen Westi da hinten.
Es folgte
meine 2. Lektion:
Um Spaziergänge mit diesen Hunden, die zumindest ansatzweise
meinen Vorstellungen von meinem Hund entsprachen, rissen
sich die potenziellen Interessenten und die kamen oft sogar mehrfach
am Tag raus.
Die, die
sitzen blieben, das wären die anderen Kandidaten, wie eben
der Rex und für den wäre jetzt niemand mehr zum Gassigehen
da und sie müsste noch mit einem anderen Hund raus.
Als sich
sah, wie er hoffnungsvoll auf diese nette Gassigängerin schielte,
als sie einen Zwinger passierte, da brachte ich es nicht über
mich, einfach zu gehen und bot an,
mitzugehen und diesen Rex auszuführen.
Auf dem
Spaziergang lebte er völlig auf, sprühte nur so vor Leben
und schien auch mich an seiner riesigen Freude über diesen
kurzen Spaziergang teilhaben lassen zu wollen.
Auf diesem Spaziergang lernte ich dann eine weitere Lektion.
Diese nette
Gassigängerin erklärte mir eigentlich so ganz nebenbei,
wie das so ist mit den Schwervermittelbaren und wie froh sie über
jeden Gassigänger sind, der diesen Hunden wenigstens ein paar
kleine Lichtblicke verschafft.
Ich bekam eine Ahnung davon, was es für einen Hund im Tierheim
heißt alt oder krank zu sein
oder einfach nur nicht dem gängigen Schönheitsideal zu
entsprechen...
Am nächsten
Tag war das Thema Tierheim aber eigentlich für mich abgehakt.
Einen ordentlichen Hund bzw. einen der von mir favorisierten Welpen
wollten die mir ja nicht geben und wieso sollte ich für die
ihre Hunde Gassi führen,
wenn ich denen nicht gut genug war? Für mich war das Thema
durch.
Aber ungefähr
eine halbe Stunde vor Schließung des Tierheims musste ich
an diesen arroganten Rex denken.
Was, wenn heute wieder niemand da wäre, um mit ihm Gassi zu
gehen?
Er war doch
so glücklich da draußen beim Spaziergang.
Und was, wenn morgen wieder niemand da wäre?
Vielleicht war er gar nicht arrogant, sonder eher resigniert?
Exakt 10
Minuten später war ich wieder im Tierheim und hatte wenig später
Rex an der Leine. Im Stillen hatte ich schon ein bisschen gehofft,
er würde sich freuen, mich zu sehen.
Aber weit gefehlt, an diesem Tag hatte er scheinbar besseres zu
tun.
Er zog mich
schnurstracks und ohne mich in irgendeiner Weise zur Kenntnis zu
nehmen in den angrenzenden Park und dort direkt in den Teich.
Da ich als Neuling unter den Gassigängern die Leine nicht loslassen
wollte,
hielt ich eisern fest, mochte ihn aber auch nicht zurückziehen
oder so.
Also stand ich mitten im Januar bis zur Hüfte in diesem Teich,
während Rex ein bisschen schwamm.
Danach zog
er mich dann wieder ins Tierheim,
da er offenbar pünktlich zur Fütterung wieder zurück
sein wollte.
Das hatte ich mir schon anders vorgestellt.
Künftig sollte dieser blöde Hund gefälligst sehen,
wo er bleibt.
Den würde
ich nie wieder Gassi führen und überhaupt würde ich
auch nicht mehr in dieses Tierheim gehen, so wie die über mich
gelacht haben, als ich triefnass Rex ablieferte
bzw. von ihm abgeliefert wurde.
Tja, und
was soll ich sagen, am nächsten Tag zur so gegen 16:00 Uhr
ging mir dieser blöde Hund wieder nicht aus dem Kopf. Ich stellte
mich dem Spott wegen dem unfreiwilligen Bad und wollte es noch einmal
mit dem Gassi gehen versuchen.
Schließlich konnte dieser Rex unmöglich den ganzen Tag
im Zwinger bleiben.
Und so ging
es mir täglich, immer zu den Gassizeiten ging mir dieser Hund
nicht aus dem Kopf.
So wurde ich zu einer regelmäßigen Gassigängerin,
die viele Hunde ausführte
aber Rex war immer der Erste. Irgendwie bürgerte es sich ein,
dass ich auch vormittags schon eine Runde mit ihm drehte. Punkt
11:00 Uhr und Punkt 16:00 Uhr war Rex dran.
Als er merkte,
dass ich täglich kam, wurde er auch sehr schnell aufgeschlossener
und schon bald konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie es
einmal sein würde, wenn er vermittelt wird.
Denn als mein Hund kam er immer noch nicht in Frage.
Er war mir immer noch zu schwarz, zu groß und zu alt.
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So
gingen die Monate ins Land.
Ich richtete meinen gesamten Alltag nach diesem Hund aus und merkte
gar nicht,
dass er längst mein Rex war. Ich merkte nicht, dass ich gar keinen
anderen Hund wollte
so festgefahren war meine Überzeugung, er wäre als alter
Hund eben nichts für mich.
Und dann
kam der Tag, der alles veränderte.
Es waren wieder Welpen in der Vermittlung und die Leute standen
Schlange vor dem Zwinger der Welpen.
Und wie der Zufall es wollte, saß wieder mein Rex im Zwinger
nebenan. Aber dieses Mal schien er es doch noch einmal wissen zu
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wollen
und versuchte, Kontakt zu den Menschen vor seinem Zwinger aufzunehmen.
Vielleicht hatte er mich auch als potenzielles Frauchen abgeschrieben
und wollte sein Glück nun anderswo versuchen.
Als ich
auf seinen Zwinger zuging, beobachtete ich, wie dieser alte Knabe,
seinen Tennisball in die Schnauze nahm, zaghaft auf diese vielen
Menschen zuging und ihnen seinen Ball vor die Füße legte.
Nicht ein einziger hat ihn auch nur näher angeschaut.
Also drehte er um, setzte sich wieder in eine Ecke seines Zwingers
und starrte resigniert ins Leere.
Ich mache
diesen Menschen keinen Vorwurf. Ich war ja selbst nicht anders.
Genau genommen bin ich ihnen dankbar.
Wer weiß, ob ich ohne dieses Erlebnis je kapiert hätte,
dass dieser alte, schwarze Hund genau der Hund war, den ich wollte.
Jedenfalls sollte mein Rex das nie mehr erleben müssen.
Es gab noch
einige Kleinigkeiten zu klären.
Die Vermietererlaubnis musste eingeholt werden, ein Umzug musste
geplant werden
(er würde nicht ewig bis in den 4. Stock laufen können
und ich würde ihn ohne Aussicht auf eine Wohnung ohne so viele
Treppen nicht bekommen) usw.
Aber schon am nächsten Tag stellte ich Rex allen Nachbarn und
Mitmietern vor und stellte auch ihm sein potenzielles Zuhause vor.
Er beschnüffelte alles, hob einmal das Bein an der Balkontür
(was er später nie wieder getan hat), legte sich auf das Sofa
(was er später immer wieder gerne getan hat) und schlief direkt
ein.
Er wirkte zufrieden...
Und als
es dann endlich so weit war und ich einige Zeit später mit
diesem alten, schwarzen, HD-kranken Hund das Tierheim verließ,
da war ich unendlich stolz und glücklich und das bin ich all
die Jahre, die mein Rex bei mir lebte, auch geblieben.
Mein Rex
war nie der dankbare, bescheidene Tierheim- hund, die es ja angeblich
geben soll.
Er hatte seinen eigenen Kopf und seine eigenen Vorstellungen von
einem perfekten Hundeleben. Frauchen war dann für die Umsetzung
zuständig. Klappte das nicht, stellte er eben auf stur.
Statt Morgenspaziergang
einen Gang zum Bäcker? Nicht mit Rex. Er hatte schnell raus,
dass er sich nur mitten auf befahrene Straßen legen musste,
damit es in die Richtung ging, die er wollte.
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Hundefutter ohne Extrawürste?
Nicht mit Rex.
Er, der im Tierheim alles gefressen hatte, wurde direkt nach seinem
Einzug bei mir zum Gourmet.
Einmal täglich für Rex eine warme Mahlzeit war Pflicht und
standesgemäßes Kauwerk zur Auswahl musste vorrätig
sein.
Männerbesuch?
Nicht mit Rex.
Wer dauerhaft mit ihm und somit auch mit seinem Frauchen klarkommen
wollte (und keine Frau war Frauen mochte mein Rex), musste
ihn schon das eine oder andere Mal im Auto um den Block kutschieren
dann war man allerdings Rexens bester Freund und musste aufpassen,
dass er einem nicht als Freundschaftsbeweis eine Auswahl seiner
Tennisbälle in den
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| Fußraum
legte, die dann Gefahr liefen, sich während der Fahrt unter Kupplungspedalen
o.Ä. anzusiedeln und dort zu verklemmen.
Handwerker
mussten kurz vor ihrem Eintreffen anrufen, damit Rex sie persönlich
in die Wohnung geleiten konnte.
Handwerker waren überhaupt kein Problem und von Rex gern gesehene
Gäste
ja, wenn er sie persönlich in die Wohnung geleiten durfte.
Mein Rex
war auch nie der ruhige Hundesenior,
den ich ob seines Alters und seiner HD eigentlich erwartet hatte.
Er war ein unglaublich fröhlicher und lebensfroher Hund,
den seine kranke Hüfte nie interessiert hat.
Bekannte nannten ihn oft den Hund auf Wolke 7, weil er immer so
glückselig wirkte.
Er hat als zehnjähriger Hund einen komplizierten Beinbruch
gehabt, von dem nach einem halben Jahr nichts mehr zu bemerken war.
Noch kurz vor seinem Tod bin ich gefragt worden,
wie groß er denn noch wird.
So ausgelassen hat er da mal wieder mit seinem Ball im Wasser gespielt.
All meine
Beweggründe, ihn nicht aufzunehmen, erwiesen sich im Nachhinein
als nichtig.
Er würde nicht am Pferd mitlaufen können, war meine Angst,
doch es zeigte sich, dass er wunderbar in der Pferdebox schlafen
konnte und dies sogar liebte.
Ich befürchtete,
dass er nicht am Fahrrad würde mitlaufen können.
Diese Angst erwies sich als berechtigt.
Er hasste es, am Rad zu laufen (dabei konnte Hund nämlich keine
Bälle apportieren),
doch es zeigte sich,
dass er ein perfekter Bus- und Bahnfahrer war und auch mal zu Hause
bleiben konnte.
Eine weitere
Angst war die, dass er nicht mehr lange leben würde. Doch es
zeigte sich,
dass er noch 5 wunderbare Jahre bei mir leben sollte, die so randvoll
mit wunderbaren Erlebnissen und Momenten waren, dass sie mir auch
jetzt rückblickend noch wie ein Ewigkeit vorkommen.
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Und auch der Verdacht, er könnte ein undankbares
Früchtchen gewesen sein,
der ab und an in mir aufkeimte und von meinem Umfeld auch unverhohlen
geäußert wurde, erwies sich als völlig falsch.
Er musste
in den letzten Wochen seines Lebens einige Male zum Tierarzt,
vor dem er große Angst hatte.
Die Besuche wurden so gestaltet, dass wir einen möglichst frühen
Termin bekamen, ein Nachbar Rexens Vertrauens mit uns zum Tierarzt
fuhr und nach den Untersuchungen mit Rex dort ein bisschen herumspazierte,
während ich auf Ergebnisse wartete o.Ä.
Da längeres Warten in der
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Praxis
oder alleine im Auto meinen Rex in dieser Phase seines Lebens so aufregten,
dass er kollabierte.
Als mein
Rex bei einer dieser Gelegenheiten befand, dass sein Frauchen zu
lange von dem Tierarzt festgehalten wurde, zog er sich bei einem
dieser Spaziergänge das Halsband über den Kopf,
rannte zur Praxis, drängelte sich in diese und baute sich vor
der Rezeption auf,
wo er lautstark die Herausgabe seines Frauchens forderte.
Wie er,
der bekanntermaßen so große Angst vor der Praxis hatte,
da auf wackligen Beinen todesmutig die Praxis stürmte, um nach
seinem Frauchen zu suchen, hat er so manchen Anwesenden zu Tränen
gerührt und alle Anwesenden davon überzeugt, ein überaus
dankbarer Hund gewesen zu sein.
Rex, mein
Löwenherz und der beste aller Hunde ich bin unendlich
froh, diesen Hund gekannt zu haben und habe von ihm noch so manche
Lektion gelehrt, vor allem aber die, dass hinter einem alten, kranken,
schwarzen, resignierten Hund eine Feuerwerk der guten Laune und
vor allem der beste aller Hunde stecken kann.
Ach ja,
der Mann, wegen dem der Liebeskummer mich einst ins Tierheim trieb,
hat in einem zweiten Anlauf Rexens Anforderungen nicht entsprochen.
Er meinte, er könnte keine Hundehaare im Auto gebrauchen und
war im nächsten Moment leichten Herzens und ganz ohne Kummer
Geschichte.
© S.
Helker 2008, Nutzung nur mit ausdrücklicher Genehmigung der
Autorin.
Sie möchten
auch einem armen Rex helfen?
Kommen Sie einfach mal zu uns.
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Diese Geschichte wurde
uns freundlicherweise von
Couch
gesucht
zur Verfügung gestellt.
Wir möchten uns dafür
herzlich bedanken!
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