Deutscher Tierschutzbund

Willi

*09.04.2010
gestorben 09.3.2019

Lieber Willi

Wir hätten niemals gedacht, dass wir heute diese Zeilen schreiben würden. Alles ging so schnell und ist noch gar nicht so richtig real für uns.

Am Mittwoch musstet du in der Tierklinik operiert werden, du hattest ein großes Fettgeschwulst zwischen Brust und Schulter und die OP war quasi unumgänglich. Bei der OP stellte man dann fest, dass das Geschwulst viel tiefer saß als zuerst angenommen, die OP schwieriger war als gedacht und man stellte uns darauf ein, dass auch die Nachsorge schwierig werden würde. OK - kriegen wir sicher trotzdem hin dachten wir....

Du hast viel Blut verloren und bist dann leider nicht mehr auf die Beine gekommen. Mehrere Tage haben wir gekämpft. Du hast nichts gefressen, nichts getrunken, konntest noch nicht einmal mehr stehen, hast unter dich gemacht - wir mussten uns dann schweren Herzens eingestehen, dass du dich nur noch quälst, es keinen Sinn mehr hat dich noch weiter leiden zu lassen. Diese Entscheidung viel uns wahnsinnig schwer, denn die OP hätte dein Leben verlängern sollen, statt dessen standen und stehen wir nun fassungslos da.

Leider konnten wir nie ein richtiges Zuhause für dich finden, du hattest schon so deine "Macken", aber wir denken, du hattest dich gut mit der Tierheim-Situation arrangiert und warst trotzdem ein glücklicher Hund. Du hattest deine Gassigänger und Sandra, unsere Hundetrainerin und Patin, die sich alle liebevoll um dich gekümmert haben. Trotz allem kann kein Tierheim eine richtige Familie jemals ersetzen.

Jetzt bist du im Regenbogenland und wir hoffen du tobst wieder schmerzfrei mit deinen Kumpels durch die Gegend.

Es tut uns wahnsinnig leid. Wir haben gekämpft, wir wollten das Beste für dich und am Ende kam dann doch alles anders als geplant - es war eigentlich noch nicht Zeit zu gehen und das ist der Punkt, der es schwer macht dies alles zu akzeptieren.

Deine Pfleger und alle, die dich lieb hatten

 

 

 

Mein liebster Willibert,

ich werde jetzt nicht schreiben, dass du ein armer Tierheimhund warst, denn das warst du nicht. Du hast dich auf jeden Spaziergang oder Ausflug gefreut, und du bist stets genauso freudig wieder ins Tierheim reinmarschiert. Für dich war das Tierheim dein Zuhause, dort hattest du dein eigenes kleines Reich, und weil du mit anderen Hunden stets eine coole Socke warst, konntest du im Laufe der Jahre mit vielen Artgenossen den Auslauf teilen.

Auch mit meinen Hunden hast du dich super verstanden. Du hast dazugehört, wenn wir alle zusammen lange Spaziergänge unternommen haben. Wenn du mein Auto gesehen hast, konnte ich dich kaum noch an der Leine zurückhalten. Reinhüpfen, und los ging's! Mein Sammy und du – ihr wart immer schon "Brothers from another mother": Wo der eine schnupperte, checkte auch der andere ab. Ein Blick zwischen euch genügte, und ihr hattet euch über eine spannende jagdliche Spur verständigt. Diese geballte Jagdpower war manchmal schwer zu bändigen, aber als echtes Nasentier hast du Fährtenarbeit und Mantrailing als großartige Alternativen angenommen. Wohingegen mir graue Haare dabei gewachsen sind, dir das Apportieren beizubringen.

Ich werde nicht schreiben, dass du ein einfacher Hund warst. Denn auch das warst du nicht. Du konntest in manchen Situationen sehr speziell sein. Futterbeute hast du sehr deutlich verteidigt. Du hast sofort erkannt, wenn jemand dir gegenüber unsicher war. Und du hast stets genau entschieden, wer wie weit bei dir gehen durfte. Bei einem Hund von so stattlicher Größe konnte das sehr beeindruckend wirken. Eine heftige Reaktion deinerseits ließ nicht lange auf sich warten, sehr schnell und oft ohne Vorwarnung. Einige Leute trauten sich deshalb nicht mehr recht an dich heran. Mit Leckerchen konnte man dich zu vielem überreden – erziehen konnte man dich damit nicht unbedingt. Wirklich auf jemanden eingelassen hast du dich nur, wenn derjenige klar in seiner Kommunikation dir gegenüber war und dein Vertrauen fand. Mir hast du es über all die Jahre vorbehaltlos entgegengebracht, und das ist für mich das größte Glück und die schönste Erinnerung an dich.

Ich werde nicht schreiben, dass es mir jemals leicht gefallen wäre, dich nicht zu mir holen zu können. Es war stets ein großer Konflikt für mich. Persönliche Umstände machten es nicht möglich. Ich war für dich da, so oft und so gut ich konnte, und wir haben so wunderbare Stunden und Tage miteinander verlebt. Bei mir hast du alles zugelassen. Ich konnte dir vieles beibringen: dass man sich überall anfassen lässt, dass man sich Futter abnehmen lässt, dass man keine Radfahrer blöd anmacht, dass man keine Katzen schreddert … Wenn du gehört hast, dass ich ins Tierheim komme, ging das Gejaule und Gebelle schon los. Dein Freundengeheul wird mir auf immer im Ohr bleiben – kein Hund konnte sich so ausgelassen freuen wie du!

Es ist noch keine Woche her, dass ich dich springen und hüpfen sah – und jetzt bist du einfach nicht mehr da … Mein liebster Willibert, für mich warst du mein Hund, auch wenn du nicht bei mir gelebt hast. Du warst Teil meines Rudels, und du fehlst. Genieß die ewigen Jagdgründe, die du jetzt hemmunglos und frei erkunden kannst. Ich werde dich nie vergessen.

Hab dich lieb, mein Großer. Für immer.

Sandra    

 

Kontakt

Tierschutzverein Worms
Stadt und Land e.V.

Ludwigslust 2 / 67547 Worms
Tel. 06241 230 66 / Fax 06241 200 15 71
tierheim.worms(at)gmx.de

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