Wir waren ursprünglich vier Hunde – unsere Mama und ihre drei Söhne. Nachdem unser Besitzer leider verstorben war, war niemand mehr da, der sich um uns kümmern konnte. Schließlich wurden wir durch das Veterinäramt sichergestellt und das war gut so, denn unsere Haltung, unabhängig davon, dass ja niemand mehr zu Versorung da war, nicht besonders gut aus!
Bis zum Spätsommer 2026 war damit zumindest gewährleistet, dass wir versorgt waren. Dann änderte sich die Situation: Die Erbin wollte die vom Veterinäramt weiterberechneten monatlichen Unterbringungskosten nicht länger übernehmen. Da ich (als letztes vierbeiniges Überbleibsel von ursprünglich 4 Hunden) rechtlich zur Erbmasse gehöre, bestand für sie grundsätzlich die Möglichkeit, über meinen weiteren Verbleib zu entscheiden und ihre Entscheidung hätte für mich bedeutet, wieder genau dorthin zurückzukehren, wo das Veterinäramt mich ursprünglich herausgeholt hatte. Eine Rückkehr dorthin hätte außerdem bedeutet, dass eine Nachbarin einmal täglich nach mir schauen, mich füttern und sich – möglicherweise – auch um einen Spaziergang kümmern sollte - “Funfact”: Denn die eigentlich Erbin lebt selbst ganz woanders!
Für das Veterinäramt wäre eine solche Situation rechtlich nicht zu verhindern gewesen. Es hätte dann die Möglichkeit bestanden, die Haltung anschließend erneut zu kontrollieren und bei Verstößen entsprechende Auflagen zu erteilen. Erst wenn sich die Situation trotz dieser Maßnahmen nicht verbessert hätte, wäre eine erneute Sicherstellung möglich gewesen. Für mich hätte das jedoch bedeutet, möglicherweise monatelang wieder unter den Bedingungen leben zu müssen, aus denen ich schon einmal herausgeholt worden war. Das wollte das Tierheim unter keinen Umständen zulassen, denn denen liegt was an mir, der Erbin offensichtlich nicht.
Die Mitarbeiter haben sich deshalb dazu entschieden, mich als Abgabehund in den eigenen Bestand aufzunehmen. Damit wird meine Unterbringung nun nicht mehr über das Veterinäramt finanziert, sondern vom Tierheim selbst – aber ich bin sicher, werde versorgt und geliebt.
Trotzdem fällt es den Tierschützern schwer diese Entscheidung der Erbin nachzuvollziehen - ich formuliere es mal hier im Text nett. Da wird ein fühlendes Lebewesen als Teil einer Erbmasse behandelt (quasi wie eine alte Waschmaschine) und soll dahin wieder abgeschoben werden, wo es ursprünglich - Gott sei Dank - rausgeholt wurde. Kurz zusammengefasst: Die schönen Dinge eines Erbes nimmt man gerne an – für die Verantwortung, die ebenfalls dazugehört, muss dann plötzlich jemand anderes (das Tierheim, das sich aus Spenden finanziert) aufkommen, weil es lästig ist. Ich hoffe sehr, die Erbin schämt und reflektiert sich irgendwann doch noch dafür, was sie mir antun wollte.
Aber nun zu mir!
Unsere Lebensumstände bis zu unserer Sicherstellung waren, vorsichtig formuliert, alles andere als schön. Viel Gutes und Schönes durfte ich in meinem bisherigen Leben vermutlich nicht kennenlernen. Umso mehr fühlt sich das Tierheim für mich fast wie ein kleines bisschen Luxus an: regelmäßiges Futter, ein warmes Plätzchen, Spaziergänge und Menschen, die sich um mich kümmern und mich lieb haben.
Über meine Vergangenheit weiß man leider nur sehr wenig. Aufgrund der Umstände, unter denen wir aufgefunden wurden, wird vermutet, dass ich möglicherweise einmal jagdlich geführt wurde. Mein ursprüngliches Geburtsdatum und sogar mein früherer Name konnten über das Haustierregister TASSO ausfindig gemacht werden. Für meinen neuen Lebensabschnitt bekam ich jedoch auch einen neuen Namen.
Ich bin ein ausgesprochen lieber und freundlicher Kerl und Menschen gegenüber sehr zugetan. Nähe, Aufmerksamkeit und Zuwendung genieße ich sehr und freue mich über jede freundliche Begegnung.
Draußen beim Spaziergang zeige ich allerdings auch ab und an eine andere Seite. Ich bringe ordentlich Kraft mit, die ich z. Bsp. bei Hundebegegnungen auch entsprechend einsetzen kann. Andere Hunde brauche ich in meinem Leben nämlich überhaupt nicht. Meine zukünftigen Menschen sollten deshalb körperlich in der Lage sein, mich sicher und souverän zu führen. Gleichzeitig sollten sie bereit sein, gemeinsam mit mir daran zu arbeiten, dass Spaziergänge künftig entspannter werden.
Größere Kinder kann ich mir in meinem neuen Zuhause durchaus vorstellen. Einen weiteren Hund brauche ich zu meinem Glück allerdings wirklich nicht. Andere Vierbeiner empfinde ich – um es freundlich auszudrücken – als ziemlich überflüssig.
Und ja, ich bin inzwischen ein etwas älterer Herr. Aber bitte verwechselt mein Alter nicht mit „alt und fertig“! Ich gehöre definitiv noch lange nicht zum alten Eisen. Ich habe noch jede Menge Lebensfreude, genieße die Aufmerksamkeit meiner Menschen und möchte vor allem endlich erfahren, wie schön ein eigenes Zuhause sein kann.
Nach allem, was hinter mir liegt, wünsche ich mir nicht viel: Menschen, die mich sehen, wie ich wirklich bin, mir eine Chance geben und mir zeigen, dass mein bisheriges Leben nicht alles gewesen sein muss.
Wer schenkt mir diesen Neustart?
Ein Video von mir findet ihr hier.