Ich bin Lio, ein stattlicher Rottweiler und komme ursprünglich aus dem Tierheim Gießen. Dort wurde ich von meinen Besitzern „freiwillig“ abgegeben, bevor die zuständige Behörde mich aufgrund einer fehlenden Haltegenehmigung hätte sicherstellen müssen. In Hessen gehöre ich als Rottweiler zu den sogenannten Listenhunden.
Leider habe ich in meinem bisherigen Leben nicht besonders viel kennenlernen dürfen, ich überwiegend im Hof gehalten und hatte kaum Gelegenheit, verschiedene Umweltreize kennenzulernen. Dementsprechend gibt es bei mir einiges nachzuholen.
Ich möchte gleich ehrlich sein: Ich bin kein einfacher Hund und suche daher auch besondere Menschen.
Als Rottweiler möchte ich gerne etwas tun und mit meinen Menschen arbeiten. Ich bin grundsätzlich motiviert, lerne gerne und orientiere mich stark an meiner Bezugsperson. Wenn wir eine gute Bindung aufgebaut haben, kann ich mich eng an meinen Menschen anschließen und gemeinsam mit ihm arbeiten.
Allerdings bringe ich auch einige Themen mit, die man keinesfalls unterschätzen darf.
Ich habe einen ausgeprägten Jagdtrieb und meine Frustrationstoleranz ist momentan noch sehr gering. Wenn ich frustriert bin oder etwas unbedingt möchte und mein Mensch mich daran hindert, kann es zu Übersprungshandlungen gegen den Menschen kommen. In solchen Situationen kann es passieren, dass bei mir sprichwörtlich die „Rolläden runtergehen“ – dann bin ich kaum noch ansprechbar und reagiere impulsiv. Dabei mache ich aktuell keinen Unterschied, ob es sich um meine Lieblingsbezugsperson oder eine andere Person handelt.
Auch das Thema Ressourcenverteidigung spielt bei mir eine große Rolle. Futter, Spielzeug, interessante Löcher im Boden oder andere Dinge, die ich für besonders wertvoll halte, können von mir vehement verteidigt werden. Auch hier gilt: Wenn ich mich in diesem Zustand befinde, bin ich nicht mehr gut erreichbar.
Deshalb ist ein Maulkorb für mich im Alltag aktuell unverzichtbar. Bis eine vertrauensvolle Bindung aufgebaut ist und ein konsequentes, professionelles Training erste Erfolge zeigt, muss meine Sicherheit und natürlich auch die Sicherheit meiner Menschen an erster Stelle stehen. Ohne entsprechende Absicherung kann mein Verhalten im Ernstfall zu Verletzungen führen.
Auch sollte man realistisch einschätzen, dass ich in meinem derzeitigen Ausbildungs- und Trainingsstand einen Wesenstest in einem Bundesland, in dem ich als Listenhund geführt werde, voraussichtlich nicht bestehen würde.
Mit Hündinnen scheine ich grundsätzlich gut zurechtzukommen. Trotzdem möchte ich momentan ausschließlich als Einzelhund vermittelt werden, damit sich meine neuen Menschen ganz auf mich und meine Entwicklung konzentrieren können.
Für mich suche ich absolut hundeerfahrene Menschen, die wissen, worauf sie sich einlassen. Menschen, die meine Themen weder kleinreden noch unterschätzen, sondern bereit sind, gemeinsam mit mir daran zu arbeiten. Ein guter, fachkundiger Hundetrainer sollte dabei unbedingt Teil unseres Weges sein.
Ich bin kein Hund für Menschen, die einen unkomplizierten Begleiter suchen. Ich brauche Menschen mit Erfahrung, Ruhe, Konsequenz und einem klaren Blick für meine Grenzen und Bedürfnisse.
Aber vielleicht gibt es genau diese Menschen, die sagen: „Lio, wir schauen uns das gemeinsam an.“ Traut sich das jemand zu?